Die vier Lernkanäle für Referendare und Lehrer

Du möchtest deinen Unterricht effizienter, prägnanter und nachhaltiger gestalten? Du stehst im Referendariat und weißt nicht, wie du den Stoff am besten vermittelst? BeamtenService hilft dir weiter. Im folgenden Artikel will ich dir die vier Lernkanäle und ihre Bedeutung für das Lernen näherbringen.
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Was ist ein Lernkanal?

Ein Lernkanal ist ein Weg, über den du dir Informationen beschaffst. Du liest dich zum Beispiel gerade in eine Thematik zur Unterrichtsvorbereitung im Referendariat ein. Genauso gut könntest du den Stoff anhören oder dich womöglich mit anderen Kollegen im Referendariat austauschen. Es gibt viele Wege zur Informationsbeschaffung bzw. -speicherung.

Warum sollte ich die Lernkanäle nutzen?

Ein guter Lehrer – egal ob im Referendariat oder nicht – versucht auf die individuellen Bedürfnisse seiner Schüler einzugehen. Kinder lernen auf verschiedenen Wegen verschieden effizient. Gerade im Referendariat hast du die notwendige Zeit, dich diesem Faktum näher zuzuwenden als später, wenn du unter dem Zeitdruck des Lehrplans stehst.

Das Gros der Schüler wird mit Tafelbild und mündlichem Vortrag beschult. Lehrer im Referendariat orientieren sich gerne an diesem Grundschema, da es ihnen die Sicherheit einer konventionellen Methode gibt. Die Schüler sind in erster Linie passiv. Erinnere dich an deine Vorlesungen im Studium. Empfindest du es als sinnvoll, dich in deinem Stuhl zurückzulehnen und einfach nur zuzuhören? Mitnichten, wenn das genau dein präferierter Lernkanal ist. Doch selbst dann generierst du einen viel größeren Lernerfolg, wenn du über mehrere Informationskanäle beschult wirst.

Welche Lernkanäle gibt es?

Es gibt vier Lernkanäle. Je mehr du in deinem Unterricht abdeckst, desto nachhaltiger wird die Information von deinen Schülern abgespeichert.

Der visuelle Lernkanal ist der am häufigsten genutzte. Gerade jetzt setzt du ihn ein, während du diesen Text auf BeamtenService durchliest und verarbeitest.
Über diesen Lernkanal verarbeiten wir alles, was wir sehen. Das heißt ein Tafelbild, eine Powerpoint Präsentation oder eine Overheadfolie. Aber auch Arbeitsblätter, die du austeilst und Bücher, die sich die Schüler durchlesen. An der Aufbereitung guter Schulbücher erkennst du, was für diesen Lernkanal besonders wichtig ist: Die Information muss kurz und prägnant sein.

Sie sollte übersichtlich dargestellt sein, Wichtiges musst du hervorheben. Sinnvoll eingesetzte Signalfarben können zusätzlich den Sehreiz auf wichtige Informationen lenken. Ein häufig vernachlässigter Aspekt sind Bilder. Ein gutes Bild vermag so manchen Text zu ersetzen.
Noch einmal zusammengefasst:

  • Kurze prägnante Informationen
  • Wichtiges hervorheben
  • Mäßiger gezielter Einsatz von Farben
  • Gehaltvolle Bilder

Der zweithäufigste Lernkanal ist der auditive. Über ihn verarbeitest du akustische Informationen. Alles, was wir hören ob Geräusche oder Sprache wird über diesen Kanal aufgenommen.
Im Unterricht wirst du diesen Kanal nutzen, wenn du deinen Schülern einen Stoff erklärst. Das kommt vor allem am Beginn einer neuen Thematik vor.

Du stellst kurz vor, was als Nächstes folgt, bereitest die Schüler auf den Tagesablauf vor o. ä.
Die Fähigkeit, Dinge verbal zu vermitteln bedarf häufiger Übung und stellt gerade im Referendariat viele vor ein scheinbar unlösbares Problem. Ich kenne viele Lehrer, die das mündliche Vortragen des Stoffs an das Halten von Referaten in der eigenen Schulzeit erinnert. Daher weichen diese häufig auf visuelle Lehrmethoden aus. Denk daran, du bist noch im Referendariat und man erwartet noch keine Höchstleistung von dir. Nutze diese Zeit, um deine Rhetorik zu verbessern.

Sprich langsam zu deinen Schülern, bereite deine Ansprache vor, nimm dir wenn nötig Stichwortzettel dazu. Wichtig ist es, nicht ins Tratschen zu verfallen und Höhen und Tiefen in deinen Vortrag einzubauen. Damit kannst du auf wichtige Details aufmerksam machen. Es gibt nichts Schlimmeres, als einen monoton vor sich hindudelnden Vortrag, in dem wichtige Inputs einfach untergehen.
Eine mitreißende Vortragstätigkeit kann einen unheimlich guten Lernimpuls geben und die Aufmerksamkeit deiner Schüler enorm steigern.

Noch einmal zusammengefasst:

  • Informationen auf den Punkt bringen statt Schwafeln
  • Die Stimme als Instrument mit Höhen und Tiefen nutzen
  • Langsam und deutlich sprechen
  • Vorbereitung statt komplett freies Sprechen

Im Artikel zur Autorität im Klassenzimmer auf BeamtenService wurde das Problem angesprochen, dass viele Lehrer im Referendariat unter einem lauten Klassenzimmer eines ohne Struktur, ohne Autorität sehen.

Ein gesprächiges Klassenzimmer bietet aber eine große Ressource für den kommunikativen Lernkanal. Über diesen lernen wir, wenn wir uns mit anderen austauschen. Ich habe im Unterricht insbesondere in jüngeren Klassen oft das Problem, dass die Kinder hundert Mal nachfragen. Sie wissen, was sie zu tun haben, aber wollen doch auf Nummer sicher gehen. Im Referendariat habe ich somit alles ungefähr hundert Mal erklärt.

Damit ist heutzutage ein Ende. Zunächst gebot ich den Kindern, zuerst ihren Nachbarn zu fragen, schließlich löste ich es über Gruppen. Kinder lernen unheimlich schnell über das Sprechen miteinander. Doch als Lehrer hat man nicht die Zeit, mit jedem Kind in den Dialog zu gehen. Davon abgesehen sind viele Kinder viel motivierter sich untereinander auszutauschen Nutz diese Ressource!

Es gibt immer stärkere und schwächere Schüler in deiner Klasse, das wird dir im Referendariat bereits aufgefallen sein. Bessere Schüler generieren Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit, indem sie anderen helfen. Nebenbei wiederholen sie dabei den Stoff.

Wenn du Regeln für das Kommunizieren untereinander aufstellst, mit denen dir dein Klassenzimmer nicht chaotisch vorkommt, kannst du ohne viel Zutun den Lernerfolg steigern.

Noch einmal zusammengefasst:

Lass stärkere Kinder den schwächeren helfen

Gib klare Kommunikationsregeln vor

Bilde Gruppen – damit nicht quer durch das Klassenzimmer geschrien wird

Der haptisch-taktile Lerntyp ist ein im Referendariat häufig vernachlässigter wie bereits im Beitrag zum bewegten Klassenzimmer auf BeamtenService angesprochen. Mit Argusaugen wacht so mancher Lehrer, dass die Kinder still und gerade sitzen. Bewegung ist in vielen Klassenzimmern ein Tabu. Für Kinder, die über Bewegung am besten lernen, ist das fatal.

Die zunehmende Digitalisierung verstärkt diesen Effekt noch, indem wir immer weniger mit den Händen tun. Es macht einen großen Unterschied, ob ich Informationen mit der Hand aufschreibe oder in eine Tastatur tippe! Meine Lernkarteien im Studium habe ich mir am Computer vorgeschrieben und dann noch einmal händisch übertragen.

Der letzte Lernkanal wird durch alles, was mit Bewegung zu tun hat, gefördert. Sei es, dass die Schüler aufstehen und Gymnastik machen, während du ihnen etwas erzählst, sie Buchstaben auf den Rücken des Sitznachbarn schreiben oder sie etwas mit dem eigenen Tun entdecken, statt es referiert zu bekommen.
Den haptisch taktilen Lernkanal einzubringen ist manches Mal schwierig und gerade im Referendariat vielleicht eine Hürde. Du musst nicht den kompletten Unterricht bewegt auslegen, um von diesem Kanal zu profitieren. Lockere deinen Unterricht mit Spielen, Experimenten und Bewegung auf und du wirst sehen, dass die Kinder neben mehr Lernfreude auch mehr Erfolg haben werden.

Noch einmal zusammengefasst:

Unterricht durch Bewegungsaufgaben/-spiele durchbrechen

Kinder explorierend (entdeckend) lernen lassen

Informationen handschriftlich niederschreiben

Wie das Ganze umsetzen im Referendariat?

Gerade jetzt im Referendariat wirst du dir schwer tun, all das 1:1 in deinen Unterricht einzubauen. Keine Sorge! Durch einen vielfältigen Unterricht werden die verschiedensten Lernkanäle ohnehin immer wieder abgedeckt. Behalte die Lernkanäle einfach im Hinterkopf, bau sie hier und dort gezielt ein und mit der Zeit wirst du ein Gefühl dafür bekommen, ob du gerade einen eindimensionalen Unterricht führst, oder alle Informationskanäle bestmöglich abdeckst.

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Ich hoffe, der Artikel konnte dir bei deiner Unterrichtsvorbereitung im Referendariat behilflich sein. Auf BeamtenService findest du viele weitere Inhalte, die sowohl Basics als auch tiefer gehende Thematiken zum Unterricht aufgreifen.
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